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Ausbau der A643

AZ> Über 350 Einwendungen gegen den A643-Ausbau

Der Abschnitt der A643 von der Schiersteiner Brücke zum Mainzer Autobahnring soll ausgebaut werden...

... das stößt auf den Widerstand vieler Naturschützer. (Hier geht's zum AZ Bericht)

► Einerseits beklagen vor allem prominente Politiker der CDU bei ihren Waldspaziergängen den dramatischen Zustand des Lennebergwaldes, andererseits sollen weitere, rund 800 Bäume dem Ausbau zum Opfer fallen. An diesem Beispiel kann man wieder ablesen: Klimaschutz, Naturschutz, Verkehrswende: Alles super, aber nicht mit uns...

Es ist immer das gleiche: Die bedrohliche Faktenlage des Klimawandels wird schlicht ignoriert und immer weiter das Mantra des Wachstums, hier des stetigen Straßenausbaus gesungen...

Auch im Budenheimer Gemeinderat tickt die Mehrheit so - Leider.
Anstatt den Verkauf eines Grundstücks aus Budenheimer Gemeindebesitz, welches der Bund zum Ausbau der A 643 benötigt, zu verweigern, (und damit zumindest eine Aufschub des Ganzen zu bewirken und ein deutliches Signal zu setzen) wird in vorauseilendem Gehorsam dafür gesorgt, dass der Bund bei seinen Plänen nicht behindert wird. Die kruden Argumente, die in der Diskussion im Gemeiderat vorgebracht werden, sind nur zum Kopfschütteln. (Unser Antrag zur Verweigerung des Grundstücksverkaufs hier.)

Man fürchtet im Gemeinderat, dass wenn der 6-spurige Ausbau der A643 nicht kommt, der Durchgangsverkehr in Budenheim nach wie vor hoch bleibt und schaut dabei auf den aktuellen Zustand: die täglichen Staus auf der Autobahn, die der Baustellensituation an der Mombacher Auffahrt und der Schiersteinerbrücke geschuldet sind. Diese Staus generieren Stauumfahrer, die mangels Alternativen gern durch Budenheim fahren. Sollten wir noch die Fertigstellung der "Schiersteiner" erleben, wird der Verkehr über die dann für über 90000 Fahrzeuge ausgelegte Brücke fließen und die Abkürzung durch Budenheim wird keinen Zeitgewinn mehr bringen.

In erster Linie geht es darum, den Ausbau auf 4+2 Spuren zu begrenzen und mit intelligenter Verkehrsflusssteuerung eine bessere Nutzung zu gewährleisten. Ramsauer, der Vorvorgänger vom noch aktuellen Verkehrsminister Scheuer (beide CSU) hat seinerzeit jedoch den 6-spurigen Ausbau gefordert. Typisch für das seit jahrzehnten CSU-geführte Ministerium: Straßenausbau ohne Grenzen während die Schiene als das nachhaltigste Verkehrssystem nach und nach systematisch kaputt gemacht wird. Die Autolobby lässt grüßen.

► "Schaden in der Oberleitung" von Arno Luik - oder "Warum die Verkehrswende auf die Schiene eine Illusion ist." (Deutschlandfunk-Kultur: Ein Gespräch mit dem Autor des Spiegelbestsellers)

Der sehr lesenswerte Realkrimi wird hier besprochen: ► Zur Buchbesprechung auf Lesejury.de

 

Bald verlagert sich der Stau zum Mainzer Dreieck...

Wer die Verkehrssituation beobachtet, weiß, das schon jetzt die Strecke vom Mainzer Dreieck aus Richtung Bingen in den Spitzenzeiten stark überlastet ist. Der 6-spurige Ausbau führt unweigerlich zu mehr Verkehr, der sich dann am Mainzer Dreieck stauen dürfte. Es dürfte nicht lange dauern, bis der 6-spurige Ausbau der A60 Richtung Bingen gefordert wird, und so weiter und so weiter... anstatt leistungsfähige Direktverbindungen des ÖPNV Richtung Wiesbaden/Frankfurt auf die Schiene zu setzen...

Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. (Ein lesenswerter Bericht im renomierten Handelsblatt)
Unter dem Strich stützt eine kanadische Studie eindrucksvoll eine These, die der amerikanische Ökonom Anthony Downs vor mehr als vier Jahrzehnten formuliert hat: Neue Straßen sind kein Mittel gegen Stau, weil sie zusätzlichen Verkehr hervorrufen. Der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel brachte dieses eherne Gesetz des Staus ("fundamental law of highway congestion") schon 1972 auf eine griffige Formel: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten."


Auch wenn sich die Stimmen mehren, eine US-Studie sei ja hier nicht maßgeblich und dass ja gar nicht mehr Verkehr geben kann, weil der bundesdeutsche Markt mit rd. 48 Millionen Fahrzeugen eben gesättigt sei, also müsse man nur weiter ausbauen und dann würde alles flüsssiger werden, das halten nicht nur wir für "blauäugig".

Es ist sicherlich nicht genau zu beschreiben, was an Verkehr generiert würde, weil es viele Einflussfaktoren gibt, wie man auch in Pandemiezeiten feststellt, dass zB die Menschen den ÖPNV wegen der Ansteckungsgefahren meiden und lieber mit dem Auto fahren, andererseits durch Homeoffice "dreiviertel" der Bürotürme in Frankfurt "leerstehen". Ungeachtet der Pandemie, mal ausgehend davon, dass das Ansteckungspotential nicht mehr ausschlaggebend ist:

Das Potential auf mehr Auto-Verkehr ist durchaus da und groß: denn Fakt ist, dass viele Autos nicht bewegt werden, also latenten Verkehr darstellen, dass auch, weil es staut und wenig lustig ist, am Zielort hohe Parkgebühren zu zahlen. So wählt man eben Bus oder Bahn, immer in Abwägung, was ist für mich "schneller, günstiger und angenehmer, erst ganz am Ende vielleicht auch umweltfreundlicher oder gesünder". Würden die Straßen wunderbar frei sein, Parkplätze weniger kosten, der Pendlerweg zeitlich damit deutlich kürzer sein, dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass viele Leute dem Auto den Vorzug geben.

Das ist aber umgekehrt genauso so: Würde es fantastische Radwege, mehr und komfortablere Bahn/Busverbindungen geben, die die Leute schnell zum Ziel bringen... würden weniger Leute Auto fahren.

Diese Grundsätze haben nach wie vor Bestand. Ganz abgesehen von den dringend notwendigen Maßnahmen zum Klima-, Arten- und Ressorucenschutz, denen ein Straßenausbau nach alter Prägung einfach zuwider läuft. Diese dringenden Beweggründe fallen bei der persönlichen Entscheidung oft "hinten runter"...

Einige Metropolen (► Paris, ► Madrid) denken derweil radikal um und verbannen den Autoverkehr aus den Innenstädten. Diesem Beispiel werden immer mehr Städte folgen. Denn entgegen den Behauptungen, Auto-Verkehr bis vor die Ladentüre wäre "alternativlos", mehren sich die Erkenntnisse, dass das Gegenteil sehr erfolgreich sein kann.


So funktioniert eine Stadt ohne Autos:

  • In der spanischen Stadt Pontevedra (rd. 80000 Einwohner) sind Autos weitgehend aus der Innenstadt verbannt, Fußgänger haben Vorrang.
  • Das Konzept funktioniert seit fast 20 Jahren. Einzelhändler profitieren davon, dass mehr Menschen vorbeikommen, Kinder wachsen mit mehr Freiheiten auf.

► mehr auf süddeutsche-zeitung.de


Und da, wo keine Autos mehr in die Stadt sollen, da braucht man Alternativen. Und das ist eben nicht der Ausbau der Zubringerstraßen, deren "Output" die Städte verstopfen.

 

Die Ausbaustrecke teilt sich wie folgt: ca 20% Vorlandbrücke, ca 20% der Strecke liegt im "Mainzer Sand" (der kaum mehr genutzte US-Truppenübungsplatz) und ca. 60% der Strecke führt durch den Lennebergwald. Im Waldabschnitt müssten rd 800 Bäume dem Ausbau geopfert werden.
 

"Nichts in den Mainzer Sand setzen"

Großteile der lokalen Politik befürworten den 4+2 Ausbau

Der Verkehr zwischen Mainz und Wiesbaden nimmt zu, auf der A 643 bewegen sich immer mehr Pendler, die im Großraum arbeiten. Ein Ausbau des Autobahnteilstücks zwischen Schiersteiner Brücke und der Anschlussstelle Gonsenheim ist bereits beschlossene Sache. Landesregierung, große Teile der Mainzer Stadtpolitik und Naturschutzverbände befürworten für den Autobahnabschnitt zwischen Mombach und dem Autobahndreieck eine so genannte „4+2-Lösung“, also weiterhin vier Spuren und bei Bedarf die Freigabe einer der Standspuren. ► mehr auf mainzer-sand.de