Radpendler-Route - Abschnitt Budenheim
- ewig geplant und doch unbefriedigend
19. Juni 2026
Nach rund 10 Jahren Planungszeit fand im Frühjahr des Jahres eine gemeinsame Befahrung aller beteiligten Stellen (LBM, Gemeindewerke, Verwaltung, Fraktionen und Kreisverband des ADFC) der zwei möglichen Radpendlerrouten für Budenheim statt. Die eine Route folgt der bereits für die touristische Nutzung ausgeschilderten Ernst-Ludwig-Straße, (im Plan grün gestrichelt dargestellt) die andere (im Plan pink-farben) geht über die kürzere Route längs der "Unteren-Stefan-Straße", kurz Friedhofsroute.
Der federführende LBM (Landesbetrieb Mobilität) präferiert die Strecke über die Ernst-Ludwig-Straße, eben auch weil die Planung dafür fertig sei, machte deutlich, dass wenn der Rat anders beschließt, es wohl nochmal bis zu einem halben Jahr Verzögerungen geben könne, weil eben wieder umgeplant werden müsste. Während der Befahrung erläuterte man die Risiken der beiden Strecken, holte Maßband und Zollstöcke heraus. Man arbeitete sich zunächt durch die Ernst-Ludwig-Straße dann durch die weniger ausgebaute Friedhofsroute. Die Ernst-Ludwig-Str ist zwar zwischen den Bordsteinen über 5m breit, aber eben dicht bebaut und wechselseitig zugeparkt.
Die Friedhofsroute hingegen ist nicht zugeparkt, hat aber zwei Risikostellen (lt. IBM), zum einen die Einmündung an der Bahnunterführung und zum anderen der Parkplatz am anderen Ende der Route. Auch sei die Strecke an einigen Stellen weniger als 3 m breit und deshalb sei man davon abgerückt und habe die Ernst-Ludwig-Str. vorgezogen. Diese Umentscheidung sei bereits 2018 mit Verwaltung und Gemeindewerke erfolgt, also zu Zeiten wo weder der heutige Bürgermeister, noch der heutige Gemeinderat noch viele aktuelle Verwaltungsmitarbeiter "im Amt" waren. Einen Ratsbeschluss dazu hat es auch zuvor nie gegeben.
Ende April beschloss der Rat auf unseren Antrag hin, vorbehaltlich dass keine Fördergelder verloren gehen, die Friedhofsroute entsprechend zu sanieren und zur Radpendlerroute zu machen, zum einen, weil sie von Radpendlern eh genutzt wird, zum anderen weil die Strecke mangels parkender Fahrzeuge sehr übersichtlich ist und durch das Einfahrtsverbot für motorisierten Verkehr aus Richtung Heidesheim kommend ehedem schon für Radler priorisiert ist.
Wohingehend in der Ernst-Ludwig-Straße auf dem recht kurzen bebauten Streckenabschnitt nachzählbar rd. 45 Fahrzeuge parallel zur Straße parken und über 50 Quereinfahrten (Hofeinfahrten, Grundstücksparkplätze, Garagen und Straßeneinmündungen) sich damit auf knapp 100 Risiken addieren. Von der Fahrbahnbreite der Ernst-Ludwig-Str (auf dem Papier über 5m) bleibt inklusive (auch des vom ADFC) empfohlenen Sicherheitsabstands von parkenden Fahrzeugen weniger als 2,30 m. Deutlich weniger als auf der Friedhofsroute. Radler müssen also bei Gegenverkehr anhalten, auch der Bordstein erlaubt kein fahrendes Ausweichen. Und dabei reden hier von einer Radpendlerroute!
Nun, die Verwaltung hat sich umfangreich und mit zahlreichen "Vermutungen" gegen diesen Beschluss gewehrt, alle Stellen haben wortreich Stellung genommen, u. a. fühlte sich auch der Kreisverband des ADFC verpflichtet, ein Papier beizusteuern, indem just die Argumente gegen die Friedhofsroute verwendet wurden, die eigentlich für sie sprachen. Heraus kam eine Beschlussvorlage, wonach, trotz der mit Faktor 10 höheren Risiken, die zudem längere Route durch die Ernst-Ludwig-Straße zur Radpendlerroute bestimmt wird.
Ein Absurdum aus Theorie und Praxis – denn jede/r Radler/in meidet nach Möglichkeit die Vorbeifahrt an parkenden Fahrzeugen – aus gutem Grund. Dooring-Unfälle, also Kollisionen mit plötzlich geöffneten Fahrzeugtüren machen rd 10% aller Radunfälle aus (mit steigender Tendenz). Sie enden oft mit schweren Verletzungen, manche sogar tödlich. Deshalb sind Sicherheitstreifen im Abstand von mindestens 75 cm zu parkenden Fahrzeugen empfohlen (auch vom ADFC). Ob wir diese Sicherheitsstreifen bekommen, man hat nicht darüber gesprochen.
Alle Beteiligten hoben auch auf die fertige Planung ab und dass es doch nun endlich umgesetzt werden solle. Der Rat beschloss nun in seiner Sitzung vom 17.6., trotz unseres Vortrags und des Beschluss' vom April, mehrheitlich der Verwaltungsvorlage zu folgen - man hofft wohl auf die Umsetzung einer Ergänzung des April-Beschlusses, das wenn die Ernst-Ludwig-Straße zur Radpendlerroute wird, auch die Friedhofsroute für Radler*innen priorisiert und mit entsprechenden Symbolen und Markierungen versehen wird. Die Erfahrung spricht jedoch: Es gibt schon so viele nicht umgesetzte Ratsbeschlüsse...
FAZIT: Es wird eine unbefriedigende Planung kostengünstigst umgesetzt obwohl die ortskundigen Radpendler in der Praxis die andere Strecke fahren. Ortsunkundige werden wohl der Beschilderung folgen und unnötigen Risiken ausgesetzt. Gegen den illegalen motorisierten Verkehr auf der (Friedhofs-)Strecke scheint man in der Verwaltung kein Mittel zu haben, der ist eben "gottgegebenen". In diesem Sinne. Fahren Sie bitte rücksichtsvoll.
Klaus Neuhaus

