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Die Linie 61

Aktuelle Pressemeldung

der Kreistagsfraktion der GRÜNEN zum Thema:

10.07.2021 Kreistagsfraktion GRÜNE ► PM Kreistag ÖPNV

Die geplante Linienführung

Die Buslinie, die aus Mainz-Laubenheim kommt, soll bis zur Waldsporthalle fahren...

Wie schön ist das denn? Doch schon regt sich Widerstand.

Seit ein paar Jahren, schon zu Zeiten Bürgermeister Beckers verhandelt und installiert, fährt eine zweite Buslinie der MVG, jedoch weitestgehend unbemerkt, von Mainz nach Budenheim. Neben der 68, die aus Hochheim kommend, die Bahnhöfe von Mainz und Budenheim via Gonsenheim miteinander verbindet, fährt die 61, von Laubenheim kommend, quer durch Mainz (via Mombacher Waldfriedhof) und endet bisher in der Budenheimer Parkallee am dortigen Aparthotel, bzw. Golfplatz. Ein Witz, sah man doch selten, wenn überhaupt, einen Golfer dort ein-, bzw. aussteigen, wohingehend sich der gemeine Budenheimer am östlichsten Ortsrand eher selten am Ziel wähnt.

Was die wenigsten wissen, es war von anbeginn der Plan, die Linie, für die die Gemeinde jährlich ordentlich Geld an die MVG zahlte, bis an den westlichen Ortsrand fortzuführen, schon um die vom ÖPNV recht abgehängten südlichen und westlichen Ortsteile, sowie das Bürgerhaus, die Waldsporthalle und das Hallenbad an diesen anzubinden, schließlich sind dies auch Veranstaltungsorte von überregionalem, öffentlichem Interesse.

Durch die nunmehr in den Verhandlungen steckende Neuordnung des ÖPNV im Kreis Mainz-Bingen / und Kreis Bad Kreuznach tun sich endlich Veränderungsmöglichkeiten auf. Die RNN Linie 620 von Ingelheim über Budenheim nach Mainz Hbf fällt weg. Dafür wird die 61 nunmehr weitergeführt. Ein weiterer Vorteil für Budenheim, denn nunmehr übernimmt der Kreis die Kosten, was der Gemeinde rd. 35.000 Euro/Jahr spart.

Die meisten Budenheimer befürworten die angekündigten Verbesserungen im ÖPNV und freuen sich über das neue Angebot. Das ist nicht nur in Budenheim so. Wie man immer wieder, auch andernorts, feststellen kann, ist die Anbindung an den ÖPNV ein Wohnargument erster Ordnung, eben weil sie Mobilität gewährleistet, auch ohne eigenes Auto, gerade für die jungen und die älteren Bevölkerungsteile.

Für die aus Klima- und Ressourcenschutzgründen dringend notwendige Mobilitätswende ist die Verbesserung des ÖPNV mit besserer Anbindung und Taktung eine Grundvoraussetzung. Das ist unbestritten und anderorts zigfach nachgewiesen. Aber es gibt, wie bei jedem Vorhaben, nicht nur Befürworter. Einige wenige Anwohner der Strecke sehen in der neuen Buslinie eine Belastung und drohenden zusätzlichen Verkehr und positionieren sich mehr oder weniger vehement dagegen. Herauslesen kann man in aller Regel persönliche Gründe. Das Allgemeinwohl wird dabei schnell hintan gestellt, teilweise mit Argumenten, die sich schon in sich widersprechen, wenn man z.B. fragt, was denn eine Buslinie zur Mobilitätswende beitragen könne.

Das Verkehrsaufkommen wird eher weniger, denn mehr.
Die geplanten zwei Busse = 4 Busbewegungen pro Stunde werden kaum auffallen und sie werden den Individualverkehr reduzieren, was mittel- bis langfristig eher zu einer Verkehrsberuhigung, denn zu einer Mehrbelastung führen wird. Auch das kann statistisch belegt werden.

Nun sind die möglichen Streckenalternativen, die a. die südlichen Ortsteile (auch die künftigen) anbinden und b. mit einem Bus bis zur Waldsporthalle befahren werden können, nicht gerade reichlich vorhanden. Möchte man eine Streckenführung, die z.B. die Waldstr. hin und durch die Jahnstr. zurück führt, dann müssten zwei Strecken bustauglich gestaltet werden, fährt man auf dem gleichen Weg hin und zurück, ist es nur eine Strecke. Auf der jetzt getesteten Route sind nur wenige Parkplätze im Abbiegebereich "Unter den Erlen" und an der Kita Kunterbunt betroffen.

Um die Aufgaben zu erfüllen, bleibte somit nur eine Streckenführung, nämlich die über die Eaubonner- und Waldstraße. Alle anderen Wegeführungen sind entweder abseits der Route (und Aufgabe) oder zu eng. Das wurde jüngst mit einem MVG-Bus getestet.

Die Bedenken hinsichtlich Lärm und Abgasen werden von der Gemeinde, als auch der MVG ernst genommen. Die MVG testet bereits Busse mit Wasserstoff- bzw. Elektroantrieb und für die Eaubonner Str. ist ein neuer Straßenbelag im Gespräch, damit die Rollgeräusche, die vom lauten Pflasterbelag verursacht, weitestgehend vermieden werden. Auch wird auf der Strecke dieser und jener Haltepunkt eingerichtet, zum Vorteil der Anlieger.

Unterm Strich können sich die Budenheimer also freuen. Nicht zuletzt die vielen Familien, die in den neuen Wohngebieten am Lenneberg, am Wäldchenloch und irgendwann auch Dyckerhoff mit dieser Linie an "die weite oder nahe Welt" angebunden werden.

Am Rande sei erwähnt, dass die MVG eine Schnellbuslinie von Mainz-Hbf nach Ingelheim Bahnhof plant, die am Reiterhof per Umstieg von der 68 genutzt werden kann. Somit kommt man als Budenheimer auch künftig entweder per Bus oder Bahn nach Ingelheim.

 

Die Wabe ist ein Problem

Die Fahrt nach Mainz ist überproportional teuer

Kostet eine Fahrt vom Hbf-Mainz ins ferne Zornheim 2,90 Euro, zahlt der Budenheimer für die wesentlich kürzere Strecke in seinen Wohnort 4,20 Euro. Ein berechtigtes Ärgernis, dass den Umstieg vom eigenen Auto auf die Buslinie eher verhindert denn schmackhaft macht. 

Der Grund ist die gewachsene Struktur der sogenannten "Waben", bzw Tarifzonen, in denen man sich im Rhein-Main-Gebiet mit einem Ticket von A nach B bewegen kann. An den Wabengrenzen muss bei Weiterfahrt ein weiteres Ticket, bzw. ein Aufpreis gezahlt werden. Die Wabe (6500) Mainz-Wiesbaden endet am Mombacher Bahnhof, eine Station vor Budenheim, zum Leidwesen für die Budenheimer*innen. Es gäbe sicher weitaus mehr, als die rd. 1000 täglichen Ein- und Ausstiege am Budenheimer Bahnhof, gäbe es nicht dieses frustrierend ungerechte Gegenargument. Gäbe es das nicht, würde wahrscheinlich auch so mancher Nahverkehrszug mehr in Budenheimer halten. Immerhin plant die Bahn für 2022 den Aus- / Umbau der Bahnsteige in Budenheim, damit diese für eine künftige S-Bahnanbindung kompatibel sind. 

Bürgermeister Hinz und unsere Kreistagsvertreter sind engagiert und motiviert, für die Budenheimer bei der Neuordnung des ÖPNV im Kreis argumentativ in den Ring zu steigen. Zugegeben, dass ist ein ganz dickes, vor allem altes und hartes Brett, dass es da zu bohren gilt. Wir wünschen den Akteueren dabei viel Erfolg. 

Für Fahrten innerhalb Budenheims mit der neue Buslinie gibt es zudem die Idee eines Budenheim-Tickets, dass deutlich günstiger ist, als das "Normalticket". Man darf gespannt sein.